Das kleine närrische Lexikon
Narrhallamarsch

Der Narrhallamarsch ist eines der bedeutendsten Musikstücke der Mainzer Fastnacht und ein fester Bestandteil von Sitzungen (u. a. als Einzugs- und Auszugsmarsch der Vortragsredner) und Umzügen während der närrischen Zeit in Mainz und Umgebung. Seine Ursprünge liegen in der, vom damals populären französischen Komponisten Adolphe Adam, 1838 komponierten Oper "Le Brasseur de Preston" ("Der Brauer von Preston"). Der zu dieser Zeit in Mainz lebende, österreichische Regiments-Kapellmeister Karl Zulehner, eines der Gründungsmitglieder des im gleichen Jahre gegründeten Mainzer Carneval-Verein [MCV], entlieh Motive aus der Oper und fasste sie im "Jocus-March", dem späteren "Narrhallamarsch", zusammen.

Unter der Leitung von Zulehner erlebte der Narrhallamarsch seine Uraufführung bei der Eröffnung der närrischen Kampagne 1844.

Die Mainzer selbst nennen den Narhallamarsch: "Ritzamba" (Wortverballhornung). Der Mainzer Volksmund hat allerdings eine eigene Entstehungsversion dieses Namens gesponnen. So wird berichtet, das "Ritzamba" ginge auf einen französischen General namens "Ricambeau" zurück, der die Fastnacht verbieten wollte. Zu Beginn der Fastnachtszeit sei dann ein Musikcorps vor seiner Residenz gezogen, um den Narrhallamarsch zu spielen und auf die Melodie den Text "Ritzamba, Ritzamba, morsche fängt die Fassnacht a" ("Ricambeau, morgen fängt die Fastnacht an") zu singen. Bis jetzt gibt es für diese Legende allerdings keinerlei wissenschaftliche Belege, noch nicht einmal die Existenz des Generals Ricambeau konnte bewiesen werden. Von einigen Lokalhistorikern wird Ritzamba auch als Verballhornung von Jeanbon St. André interpretiert. St. André war Generalkommissar der vier linksrheinischen französischen Départements und Präfekt des Départements Mont Tonnerre während der napoleonischen Zeit.

Eine fastnachtsfremde Verwendung findet der Narrhallamarsch bei den Heimspielen des 1. FSV Mainz 05, der nach jedem Tor der Heimmannschaft die ersten Takte des Marsches als Tusch erklingen lässt.


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