Das kleine närrische Lexikon
Büttenrede

Eine Büttenrede ist eine im deutschsprachigen Kulturraum zur Fastnachtszeit (Karneval, Fasching) abgelesene oder auswendig vorgetragene Rede. Sie ist meist gereimt und wird von einem speziellen Rednerpult (der Bütt) aus im lokalen Dialekt vorgetragen.

Die Büttenrede geht auf die mittelalterliche Sitte des "Rügerechts" zurück, in dessen Rahmen der einfache Mann zur Fastnachtszeit die Herrschenden ungestraft kritisieren durfte. Irgendwann tauchten Büttenredner auf, die von Festsaal zu Festsaal zogen und dort von den Veranstaltern ein Entgelt bekamen.

Formal zeichnet sich die klassische gereimte Büttenrede durch ein sehr regelmäßiges Versmaß (z.B. fünfhebiger Jambus) aus, das es auch evtl. angetrunkenen Zuhörern erleichtert, dem Inhalt zu folgen. Sie ist häufig in mehrere Strophen eingeteilt, die - einem Kehrreim ähnlich - in derselben wiederkehrenden Pointe enden. Der bevorzugte Reim ist der Paarreim.

Für die Bezeichnung des häufig in Form eines Fasses gestalteten Rednerpults als „Bütt“ (rheinisch für Bütte, Bottich, Zuber) gibt es mehrere Erklärungsversuche: vom leeren Weinfass, welches Anlass zur Bitterkeit gibt, über den Vergleich mit dem Spötter Diogenes, der in seiner legendären Tonne hauste, bis hin zum Bottich, in dem schmutzige Wäsche gewaschen wird.

Wird die Bütt einerseits zu mehr oder weniger offener, aber immer lustig formulierter Kritik an den Herrschenden genutzt, so werden andererseits auch ganz normale Witze erzählt. Allerdings hat sich zumindest in Köln in den letzten Jahren eine Gegenbewegung zum etablierten Sitzungskarneval gebildet, welche sich durch eben die Bissigkeit auszeichnet, die in mancher vom Fernsehen übertragenen Sitzung weggeschliffen scheint.


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